Der 2025 zum fünften Mal vergebene Christine-Nöstlinger-Preis für Kinder- und Jugendliteratur geht an die österreichische Autorin und Illustratorin Verena Hochleitner. Der von der Stadt Wien Kultur, Christine-Nöstlingers Buchstabenfabrik und dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels gemeinsam ausgerichtete Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird seit 2021 jährlich verliehen, wobei eine fachkundige Jury die Preisträgerin oder den Preisträger nominiert.
„Verena Hochleitner zählt zu den herausragenden Stimmen der österreichischen Kinder- und Jugendliteratur. Mit ihren Geschichten und Illustrationen spiegelt sie die Vielfalt unserer Gesellschaft wider und lädt mit ihren kunstvoll gestalteten Büchern sowohl ein junges Publikum wie auch Erwachsene dazu ein, die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Sie beweist, wie Kunst Brücken bauen kann. Zudem schafft Verena Hochleitner es, mit viel Empathie und Humor, komplexe Themen zugänglich zu machen und das Bewusstsein für die Herausforderungen unserer Zeit zu schärfen“, so die Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler. „Ich gratuliere Verena Hochleitner sehr herzlich zu dieser verdienten Auszeichnung und freue mich auf ihre zukünftigen Projekte, die uns weiterhin inspirieren und zum Nachdenken anregen werden.“
Christiana Nöstlinger und Barbara Waldschütz, die Töchter von Christine Nöstlinger, gratulieren Verena Hochleitner zur Verleihung des Christine-Nöstlinger-Preises 2025. „Die grafisch und inhaltlich ansprechenden Bilderbücher der Autorin und Illustratorin setzen sich humorvoll mit Diversität auseinander. Das zeigen zum Beispiel die verschiedenen Hunderassen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen in „Hundesalon“ oder die facettenreichen (Liebes)beziehungen in „Der verliebte Koch“. Sie stellt aber auch Gleichberechtigung und weibliches Selbstbestimmungsrecht in den Mittelpunkt, wenn sich beispielsweise eine Bande von Kindern, zwei Buben und ein Mädchen, zu „Die 3 Räuberinnen“ und „Die 3 Ritterinnen“ zusammenschließt. In ihrem ersten Jugendroman, „Flimmern“, der teils als Graphic Novel erzählt wird, begibt sich Verena Hochleitner auf die Spuren Christine Nöstlingers und schildert mit großer Empathie die Freundschaft dreier Jugendlicher, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben, dann aber ihre Vorurteile überwinden und überraschend zusammenfinden. Mit leuchtenden Farben in ihren Illustrationen werden in Verena Hochleitners Büchern unterschiedliche Realitäten und Lebensformen wie selbstverständlich nebeneinandergestellt und laden humorvoll und ohne erhobenen Zeigefinger zur Reflexion ein. So schreibt und illustriert die Autorin ganz im Sinne Christine Nöstlingers: ‚Ich habe gewisse Vermutungen darüber, was Kinder lesen wollen, und gewisse Vermutungen, was Kinder lesen sollten. Und dann habe ich noch das dringende Bedürfnis, mir gewisse Dinge von der Seele zu schreiben. Und die feste Überzeugung, dass Kinder beim Lesen gern lachen, die habe ich auch. Aus diesen vier Komponenten mische ich üblicherweise meine Bücher zusammen.‘ (Christine Nöstlinger)“
„Mit Verena Hochleitner wird eine außergewöhnlich vielseitige Künstlerin mit dem Christine-Nöstlinger-Preis ausgezeichnet. Als Autorin, Illustratorin und Buchgestalterin verbindet sie feinsinnige Erzählkunst mit einer starken visuellen Sprache. Ihre Werke greifen wichtige gesellschaftliche Themen auf und machen sie für junge Leserinnen und Leser erfahrbar – mit Empathie, Witz und einem besonderen Gespür für kindliche Perspektiven. Ihre Bücher öffnen Räume für Entdeckungen, regen zum Staunen an und laden dazu ein, über den eigenen Horizont hinauszublicken“, so Alexander Potyka, Vorsitzender des Österreichischen Verlegerverbandes.
Die Preisträgerin Verena Hochleitner
Verena Hochleitner wurde 1969 in Wien geboren und ist Autorin, Illustratorin und Buchgestalterin. Sie ist in Oberösterreich aufgewachsen und hat in Wien an der Universität für angewandte Kunst Grafik-Design studiert. Seit vielen Jahren widmet sie sich eigenen Buchprojekten, in denen sie sich immer wieder neu erfindet. Sie engagiert sich im Kinderbuchhaus im Schneiderhäusl zum Thema Kinderbuch und ist als Mentorin tätig. „Die drei Räuberinnen“ (2019), ihr Debüt als Autorin, wurde für den Korbinian (Paul Maar-Preis) nominiert. Ihre Bilder wurden prämiert und auf internationalen Ausstellungen gezeigt. Seit 2009 konzentriert sie sich auf das Illustrieren und Schreiben von Büchern. 2013 wurde sie mit dem Outstanding Artist Award für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet.
„Ich habe die ‚Mädchenbücher‘, die es in meiner Zeit als Kind gegeben hat, immer abgelehnt, weil ich mich darin nicht wiedergefunden habe. Ich wollte kein typisches Mädchen sein. Christine Nöstlinger war in meiner Lesebiographie ein Game-Changer. Ihre Bücher haben mich tatsächlich zum Lesen gebracht. Ihre Geschichten waren völlig anders. Das Erscheinen eines neuen Nöstlinger-Buches war für mich und meine Geschwister ein Ereignis. Das Buch ging von einer Hand in die andere (meine Mutter miteingeschlossen). Der Unterschied waren ihre Figuren, die einfach Kind sein durften. Frei von gesellschaftlichen Zuschreibungen,“ so die Preisträgerin Verena Hochleitner.
Jurybegründung
„Verena Hochleitner überzeugte die Jury mit ihrem vielfältigen künstlerischen Schaffen und ihrer konsequenten Haltung zu Gleichberechtigung und Diversität. In ihren Illustrationen und in ihren Texten steht sie dafür ein, dass unterschiedliche Perspektiven gleichberechtigt nebeneinander eingenommen werden können. So eröffnet sie ihren Leserinnen und Lesern eine Welt, in der Vielfalt selbstverständlich ist. Diese Selbstverständlichkeit verortet die ausgebildete Grafikdesignerin vielfach in der Stadt Wien, in der sie im Jahr 1969 geboren wurde. Mit der Kraft der Phantasie eröffnen sich ihre Figuren immer wieder ungewöhnliche und überraschende Handlungsräume. Die Stadt als Ort der vielen Perspektiven wird mitunter zum Wimmelbild, in dem Verena Hochleitners Figuren solidarisch handeln. Die Buchkünstlerin blickt – ganz im Sinne von Christine Nöstlinger – mit Respekt auf ihre Figuren, die sie mit viel Humor ausstattet. Mit der Bandbreite ihres Schaffens – vom Silent Book bis hin zum 350-Seiten starken Jugendroman – zählt Verena Hochleitner zu einer der vielfältigsten Vertreter:innen der aktuellen österreichischen Kinder- und Jugendliteratur.“
Der Christine-Nöstlinger-Preis
Der Christine-Nöstlinger-Preis wird von der Stadt Wien Kultur, Christine Nöstlingers Buchstabenfabrik und dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels gemeinsam ausgerichtet. Der Preis zeichnet Menschen aus, die Kindern und all jenen, die sonst nicht gehört werden, eine Stimme geben, ihre Perspektive einnehmen und so einen kleinen Beitrag leisten, deren Leben ein Stück gerechter zu gestalten. Bisherige Preisträger:innen: Heinz Janisch (2024), Lilly Axster (2023), Linda Wolfsgruber (2022) und Michael Roher (2021).
Die Jury
Die Entscheidung über die Auszeichnung fällt eine unabhängige Fachjury. Diese besteht aus drei Mitgliedern, die von den Trägern des Preises nominiert werden. 2025 bestand die Jury aus Stefanie Schlögl (Geschäftsführung Institut für Jugendliteratur), Linda Wolfsgruber (Illustratorin, freischaffende Künstlerin und Autorin) Andrea Zsutty (Direktorin Verein ZOOM Kindermuseum).
Alle Informationen zu Christine-Nöstlinger-Preis
Presseaussendung Hauptverband des Österreichischen Buchhandels / Red.